„I’m sitting on the top of Kilimanjaro…“

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Posted from Zanzibar Town, Zanzibar Urban/West, Tanzania.

… war der Refrain eines der ersten Lieder, das uns in Südafrika aus den Boxen unseres Mietwagens entgegenschallte. Wir wünschten uns damals sehr, das in ein paar Wochen auch sagen zu können.

Der Flug am 17. August von Kapstadt über Johannesburg und Nairobi nach Kilimanjaro International Airport brachte uns einen grossen Schritt näher zu diesem Ziel. Der Flug verlief reibungslos, was besonders in Nairobi erstaunlich war: Rund zehn Tage zuvor, genau einen Tag nachdem wir unseren Flug gebucht hatten, entnahmen wir den Nachrichten, dass der Flughafen bzw. das internationale Terminal davon von einem verheerenden Grossbrand heimgesucht worden war. Als wir ankamen, war von weitem das schwarze, ausgebrannte Terminalgebäude zu sehen, davor standen weisse Festzelte. Durch diese wurden wir dann auch geschleust und darin abgefertigt. Das Ganze sah total chaotisch aus, war aber bewundernswert gut durchorganisiert und pünktlich hob die Propellermaschine der Precision Air in Nairobi ab. Über den Wolken sahen wir nicht sehr viel, bis plötzlich auf unserer rechten Seite ein Berggipfel aus den Wolken ragte: Der Kilimanjaro. Das war er nun also – einer der höchsten freistehenden Berge der Welt, das Dach Afrikas…

erster Blick auf dem Kili, Flug Nairobi - Kilimanjaro Intl, Tanzania

erster Blick auf dem Kili, Flug Nairobi - Kilimanjaro Intl, Tanzania

Am Flughafen wurden wir abgeholt und nach Arusha zu unserem Hotel gebracht, welches von der Agentur, über die wir unser Kilimanjaro-Trekking gebucht hatten empfohlen worden war. Naja, die Standards in Tanzania sind schon nicht mit denjenigen Südafrikas zu vergleichen: Deutlich tiefere Leistung für deutlich höhere Preise… Am nächsten Tag marschierten wir ein wenig durch Arusha und wollten noch ein paar Einkäufe tätigen, mussten aber feststellen, dass in Tanzania am Sonntag rein gar nichts geöffnet hat. So drehten wir eine Runde durch die staubige und uninteressante Stadt (das einzig Schöne bzw. Interessante waren die Menschen, teilweise Männer noch richtig im Massai-Style mit blauen oder roten Tüchern als Umhang und aus Reifen gefertigten Sandalen sowie wunderschöne Frauen und Kinder) und trafen uns am Nachmittag mit dem Organisator und unserem Guide für den Kili.

Am nächsten Morgen ging es mit eineinhalb Stunden Verspätung los auf unsere siebentägige Tour auf den Kilimanjaro. Dazu fuhren wir zum Machame Gate auf 1600 M.ü.M., von wo das Trekking startete. Unglaublich, was für Menschenmengen dort versammelt waren! Es wimmelte nur so vor Touristen, Trägern und Guides. Uns war bewusst, dass wir nicht die einzigen am Berg sein würden, aber dass das soooo ein Ameisenhaufen sein würde, damit hatten wir nicht gerechnet.

Die erste Etappe führte uns während dreieinhalb Stunden durch wunderschönen Regenwald und über sehr gepflegte und einfache Wanderwege zum Machame Camp auf 2850 M.ü.M. Auf dem Weg dorthin konnten wir ab und zu durch die Bäume einen Blick auf den Kilimanjaro erhaschen bzw. auf den Hauptgipfel, den Kibo auf welchem sich auch unser Ziel, der Uhuru Peak, befindet. Nachdem wir uns bei der Ranger Station registriert hatten, mussten wir warten, bis unsere Träger mit den Zelten und dem Essen etc. eintrafen. Als es soweit war, wurde rasch alles aufgebaut und nachdem wir ein feines Nachtessen genossen hatten, verkrochen wir uns schon bald in unsere Schlafsäcke.

Los gehts... am Kilimanjaro, Tanzania

am Kilimanjaro, Tanzania

Träger, am Kilimanjaro, Tanzania

am Kilimanjaro, Tanzania

Tag 2 führte uns über eine etwas steilere und felsigere Strecke durch nicht mehr ganz so tropische Vegetation zum Shira Camp, welches auf 3800 M.ü.M. liegt. Wir quatschten ein wenig mit zwei Schweizer Mädels, Lina und Lydia, die wir am Vortag beim Registrieren am Parkeingang kennengelernt hatten und machten dann mit einem unserer zwei Guides einen Akklimatisierungsspaziergang bevor es nach dem Nachtessen und dem Sonnenuntergang rapide abkühlte und wir früh schlafen gingen.

das Ziel vor Augen... am Kilimanjaro, Tanzania

Am dritten Tag am Berg liessen wir jegliches Grün hinter uns und wanderten über Geröllhalden und zwischen Felsbrocken hindurch bis auf 4600 M.ü.M, wo wir beim Lava Tower (welcher in unseren Augen eher aussieht wie ein überdimensionaler Schuh) Mittagsrast einlegten und dann wieder auf 4000 M.ü.M. abstiegen. Der Abstieg war landschaftlich wunderschön, da zwischen den Felsbrocken plötzlich riesengrosse, palmenartige Pflanzen auftauchten, wie eine Oase im kargen grau, durchzogen von kleinen Bächen und Wasserfällen. Im Barranco Camp genossen wir die Sonne und klopften mit Lina und Lydia bei Kiliblick einen Jass :-).

am Kilimanjaro, Tanzania

am Kilimanjaro, Tanzania

am Kilimanjaro, Tanzania

Oase, kurz vor dem Barranco Camp, am Kilimanjaro, Tanzania

Zelten mit Panorama, am Kilimanjaro, Tanzania Nachmittagssnack mit Aussicht, am Kilimanjaro, Tanzania

Nach einer weiteren kalten Nacht begann der vierte Tag des Treks mit einer Kletterpartie. Das machte total Spass, die Strecke war einfach mit den ganzen Trägern ein wenig überbevölkert, so dass man zwischendurch immer wieder warten musste. Oben angekommen, bot sich uns aber eine tolle Sicht über das Wolkenmeer, auf die immer näher rückende Spitze des Kilis sowie auf den in der Ferne aus den Wolken herausragenden Gipfel des Mount Meru. Nach fünf Stunden wandern kamen wir im Karanga Camp an, welches auf 4000 M.ü.M. liegt. Da ich mir in der Nacht davor eine Erkältung zugezogen hatte, ging ich den Rest des Tages gemütlich an; bei einem Tee und mit dem E-Reader relaxte ich im Zelt, während Thomas mit dem einen Guide einen Akklimatisierungsspaziergang machte.

Creux du Van der Wolken, am Kilimanjaro, Tanzania

am Kilimanjaro, Tanzania

am Kilimanjaro, Tanzania

der Kili in voller Pracht, Tanzania

Bergblumen, Mount Meru und das Wolkenmeer, Stimmung am Kilimanjaro, Tanzania

über den Wolken macht das Luftsprünge machen gleich doppelt so viel Spass..., am Kilimanjaro, Tanzania

Campsite, am Kilimanjaro, Tanzania

So langsam aber sicher ging es ans Eingemachte: Eine kurze Wanderung von lediglich zweieinhalb Stunden brachte uns zum letzten Camp vor dem Aufstieg auf den Gipfel, dem Barafu Camp auf knapp 4700 M.ü.M. Weder Thomas noch ich hatten Probleme mit der Höhe, trotzdem zwang der geringere Sauerstoff auch uns, einen Gang zurückzuschalten und schon der Gang zur Toilette (in jedem Camp hatte es ein paar Toilettenhäuschen, immer Plumpsklos, teils mehr und teils weniger sauber…) brachte uns mächtig zum Schnaufen. Nach einem letzten Akklimatisierungsspaziergang gab es ein deftiges Nachtessen und um 18.00 Uhr legten wir uns schlafen.

Blick auf den Hans Meyer Peak, einer der drei Krater des Kilimanjaros, Tanzania

Barafu Camp, am Kilimanjaro, Tanzania

windschiefes stilles Örtchen, am Kilimanjaro, Tanzania

Lustigerweise schlief ich so gut wie noch nie zuvor auf diesem Trek! Um 23.00 Uhr wurden wir geweckt, stärkten uns mit einer Portion Haferbrei, zogen noch die letzten Schichten Kleidung an und los ging’s: Ab zum Uhuru Peak. Die ersten drei Stunden waren wunderbar, Schritt für Schritt erklommen wir Höhenmeter um Höhenmeter und überholten dabei jede Menge „Stirnlampen-Glühwürmchen-Gruppen“, die sich wie wir im Zeitlupentempo den Berg hinaufschlängelten. Die Zehen wurden immer kälter, unsere Körper wurden von diversen Kleiderschichten wunderbar warm gehalten. Plötzlich überkam mich – wie bereits im letzten Dezember am Cotopaxi in Ecuador – eine extreme Müdigkeit. Am liebsten hätte ich mich einfach hingelegt und wäre eingeschlafen. So ein doofes Gefühl (inzwischen habe ich herausgefunden, dass dies eine schwache Stufe von Höhenkrankheit ist, wogegen man ganz einfach ein Aspirin nehmen könnte!)! Aber ich kämpfte und mit der Unterstützung eines unserer Guides, Serafin, erreichten wir um kurz nach 5.00 Uhr den Stella Point auf 5740 M.ü.M. Nach einer kurzen Pause in einer windgeschützten Ecke ging es von dort aus weiter zum Uhuru Peak auf 5895 M.ü.M. Dieser wird zwar leider nicht mehr von dem klassischen und weltbekannten Holzschild geziert, sondern mit einer grünen „Autobahntafel“ markiert, trotzdem war es ein spezielles Gefühl, dort zu stehen bzw. zu sitzen: „We’re sitting on the top of Kilimanjaro“ – wir hatten es geschafft!

we're sitting on the top of Kilimanjaro..., Kilimanjaro, Tanzania

Fototechnisch waren wir zwar eine Viertelstunde zu früh, nämlich ganz kurz vor dem Sonnenaufgang, das Gute daran war jedoch, dass wir so auch vor der ganzen Menschenflut auf dem Gipfel waren. Auf dem Weg zurück zum Stella Point konnten wir den Sonnenaufgang dann geniessen und besonders, wie die Sonne langsam den wenigen noch verbleibenden Gletscher anleuchtete war wunderschön. Ja, und da waren sie: Massenhaft Leute die das letzte Stück zum Uhuru Peak bestritten. Der Abstieg führte uns grösstenteils über Geröll, was zwar witzig ist und recht schnell geht (und mit jedem verlorenen Höhenmeter spürt man den Sauerstoff in der Lunge mehr und mehr werden) aber auch eine äusserst staubige Angelegenheit ist. Um 09.00 Uhr waren wir wieder beim Camp, legten uns zwei Stunden schlafen, assen etwas und nahmen dann weitere drei Stunden Abstieg unter die Füsse.

Sonnenaufgang auf dem Kilimanjaro, Tanzania

Sonnenaufgang auf dem Kili, Kilimanjaro, Tanzania

wunderschöne Morgenstimmung, Kilimanjaro, Tanzania

Kilimanjaro, Tanzania

Touristenströme kurz nach Sonnenaufgang, Kilimanjaro, Tanzania

 

Abstieg, am Kilimanjaro, Tanzania

Ziemlich geschafft kamen wir im Mweka Camp auf 3100 M.ü.M. an und freuten uns darüber, dass wir den Uhuru Peak geschafft hatten und besonders auch darüber, dass dies unsere vorerst letzte Nacht im Zelt sein würde. Drei letzte Stunden am Berg – wieder durch dichten Regenwald – brachten uns zum Mweka Gate (1600 M.ü.M.) und mit jedem Schritt näher zur heissersehnten Dusche!

unsere Crew, am Kilimanjaro, Tanzania

Ankunft beim Mweka Gate, am Kilimanjaro, Tanzania

In Moshi spazierten wir dann nach einer ausgiebigen Dusche ins Zentrum – ja, es war wieder Sonntag und tote Hose ;-). Etwas zu Essen fanden wir trotzdem und entspannten dann einfach ein wenig im Hotel, welches nicht sehr luxuriös war, aber dafür über einen Pool verfügte.

Hotelpool, Moshi, Tanzania

Am Montag war ein weiterer Ruhe- und Erholungstag angesagt (ja, besonders der Abstieg / die letzten Stunden unserer 35-stündigen Wanderwoche gingen ziemlich in die Beinmuskeln…), bevor am Dienstag wieder das Zelt rief: Wir hatten eine sechstägige Safari gebucht. Und da eine solche mit Übernachten in Lodges sich definitiv nicht mit einem Weltreisebudget vereinbaren liess, taten wir uns halt nochmals ein paar Nächte im Zelt an… Die Safari war super und gibt in Kürze einen eigenen Blogeintrag – da wir zwei Wochen abseits des Internets unterwegs waren, bin ich mit Blogschreiben nämlich ein bisschen im Verzug ;-)…

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Der Kilimanjaro – würde ich es wieder / nochmals tun? Ich denke, ich würde mich nochmals gleich entscheiden und es wieder machen. Ein zweites Mal würde bzw. werde ich den Kilimanjaro aber wohl nicht mehr bewandern. Es war zwar eine super Woche und hat mir insgesamt sehr gut gefallen und auch das Gefühl, da oben auf dem Gipfel zu stehen war toll, andererseits war es mir aber schlicht und einfach zu überlaufen. Klar, wir hatten die Machame Route gewählt und es gäbe auch noch andere, weniger populäre Strecken, aber trotzdem ist es mir „too much“ und auch preislich jenseits von Gut und Böse… Für ein nächstes solches Abenteuer würde ich also eher wieder einen nicht ganz so bekannten Berg anpeilen, wo man sich auch der Natur näher fühlt und seine Ruhe hat (so wie beispielsweise der Cotopaxi war).

Nichtsdestotrotz: Ich bin froh, es gemacht zu haben, und dieses Erlebnis in meinem „Erfahrungsrucksack“ wissen zu dürfen :-).